Kontext und Bedarf des Projekts

Das aktuelle internationale Klima ist aufgrund tragischer Ereignisse, die sich in benachbarten Ländern zugetragen haben, angespannt: Die Attentate von Charlie Hebdo/Paris, die Attentate von Brüssel, Berlin, London und Barcelona.

Der religiöse Fundamentalismus stellt eine Bedrohung dar und muss ernst genommen werden. Spezialisten weisen darauf hin, dass fehlende Integration Betroffener Ursache einer religiösen Radikalisierung sein kann, die zu Gewalt führt. Dies ist der Kontext, in welchem das Projekt Tasamouh ansetzt, in einer Stadt wo über 10% der Bevölkerung aus unterschiedlichsten muslimischen Herkünften und Strömungen stammt (Sufis, Sunniten, türkische, albanische und afrikanische Muslime). Es ist sehr wichtig, bei den jungen Muslimen aktiv zu werden, und die Risiken der Radikalisierung zu verringern, indem man die Kontakte mit ihnen intensiviert und ihnen einen Anschluss an die Gesellschaft ermöglicht.

Der religiöse Extremismus verursacht auch Kollateralschäden, indem er Spannungen erhöht und zu einem fehlenden Verständnis innerhalb der Bevölkerung führt. Manche Muslime fühlen sich ausgestossen. Opfer von rassistischer Diskriminierung haben die Tendenz, sich zu isolieren und zu marginalisieren - ein Effekt, der bei Jungen besonders ausgeprägt sein kann. Sie suchen andere Orientierungspunkte, zu denen auch der religiöse Extremismus gehört. Diese Situation bildet eine Nische für Rekrutierer des religiösen Fundamentalismus. Es ist aus diesem Grund sehr wichtig, die Gefahrenzeichen zu erkennen und diesen Jugendlichen sichere Orte des Austausches, der Begegnung und des Zusammenlebens anzubieten.

Auch in der multikulturellen Stadt Biel/Bienne herrscht seit einigen Monaten aufgrund der internationalen Aktualität eine gewisse Atmosphäre des gegenseitigen Misstrauens zwischen der lokalen Bevölkerung und den muslimischen Gemeinschaften, insbesondere unter Jungen. Gewisse jugendliche Muslime fühlen sich stigmatisiert und abgewiesen und sie wenden sich an radikale "Mentoren". Weil es an Gesprächspartnern fehlte, hat der Verein Pont de Communication zwischen 2015 und 2017 interreligiöse MediatorInnen (MIR) ausgebildet, welche zu den jungen Muslimen und ihre Familien Brücken schlagen und die Radikalisierung verhindern können. Das Pilotprojekt MIR (Médiateur/trice interreligieux) vermittelte diesen bereits erfahrenen Personen zusätzliches Wissen und Können, um die Jungen zu verstehen, den Dialog zu pflegen und Anknüpfungspunkte für eine Veränderung zu finden. Häufig haben auch die jungen Muslime Vorurteile; der Abbau von Barrieren muss auf beiden Seiten erfolgen: Jeder wird in seiner Ganzheit akzeptiert, unabhängig der religiösen Zugehörigkeit. Diese gegenseitige Vermittlungsarbeit sowie die konkrete Anwendung der Ausbildungsinhalte ist Gegenstand des vorliegenden Projekts.